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Extraktion und Destillation: Was ist der Unterschied bei CBD?

vor 3 Tagen
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Extraktion löst Stoffe aus Pflanzenmaterial; Destillation trennt Gemische durch Verdampfen und Kondensieren. Parmorcan®-Grafik mit Cannabisblatt und Cannabisblüte.

Bei CBD-Produkten begegnen uns Begriffe wie CO₂-Extraktion, Cannabisextrakt und CBD-Destillat. Sie beschreiben jedoch nicht dasselbe. Wer die Unterschiede kennt, kann Herstellungsangaben genauer einordnen und gezielter nachfragen.

Die kurze Antwort: Bei der Extraktion aus Pflanzenmaterial werden Stoffe mit einem geeigneten Extraktionsmittel herausgelöst. Bei der Destillation werden Bestandteile eines Gemischs über Verdampfen und anschließendes Kondensieren getrennt. Beide Verfahren können in einer Verarbeitung vorkommen, erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben. [1–3]

Was bedeutet Extraktion bei Cannabis?

Extraktion bedeutet in diesem Zusammenhang, ausgewählte Inhaltsstoffe aus dem Pflanzenmaterial in ein Extraktionsmittel zu überführen. Daraus wird ein Extrakt gewonnen. Welche Stoffe dabei in welchem Verhältnis erfasst werden, hängt unter anderem vom Ausgangsmaterial und vom Verfahren ab.

Eine Originalarbeit von Rovetto und Aieta untersuchte beispielsweise die Gewinnung cannabinoidhaltiger Extrakte mit überkritischem CO₂. Dabei wurden unterschiedliche Bedingungen und auch Ethanol als zusätzliches Lösungsmittel betrachtet. Das verdeutlicht: „CO₂-extrahiert“ bezeichnet eine Verfahrensfamilie, nicht automatisch eine immer gleiche Zusammensetzung. [2]

Die Bezeichnung allein beantwortet deshalb noch nicht, welche Cannabinoide im fertigen Produkt enthalten sind. Sie sagt auch nicht, ob nach der eigentlichen Extraktion weitere Verarbeitungsschritte folgen.

Welche Aufgabe hat CO₂ bei der Extraktion?

CO₂ steht für Kohlenstoffdioxid. Bei der überkritischen CO₂-Extraktion dient es unter geeigneten Druck- und Temperaturbedingungen als Lösungsmittel. „Überkritisch“ bezeichnet dabei einen physikalischen Zustand oberhalb der kritischen Temperatur und des kritischen Drucks.

Baldino und Mitautoren untersuchten 2025 die Extraktion einer CBG-reichen Cannabissorte. Die Arbeit zeigt, dass auch die Anordnung der Trennschritte beeinflusste, welche Bestandteile gemeinsam gesammelt wurden. Unter den untersuchten Bedingungen konnten neben Cannabinoiden beispielsweise pflanzliche Wachse eine Rolle spielen. [1]

Wichtig für die Wortwahl: CO₂-Extraktion ist nicht gleichbedeutend mit „ohne Lösungsmittel“. CO₂ übernimmt hier selbst diese Aufgabe. Ob zusätzlich andere Lösungsmittel verwendet werden und wie die anschließende Aufarbeitung aussieht, muss für das konkrete Verfahren separat beschrieben werden. [1, 2]

Was geschieht bei der Destillation?

Destillation nutzt Unterschiede im Verdampfungsverhalten eines Gemischs. Bestandteile gehen in die Dampfphase über und werden anschließend wieder als Flüssigkeit aufgefangen. Diese aufgefangene Fraktion heißt Destillat. Die Royal Society of Chemistry erläutert dieses Grundprinzip anhand einfacher Stofftrennungen. [3]

Bei cannabinoidhaltigen Gemischen werden auch spezialisierte Verfahren eingesetzt. Sagili und Mitautoren untersuchten 2023 die Kurzweg-Molekulardestillation eines bereits gewonnenen Cannabisöls. Ziel war die Abtrennung cannabinoidreicher Fraktionen; die Arbeit beschreibt damit eine andere Aufgabe als das ursprüngliche Herauslösen aus der Pflanze. [4]

Der Ausdruck CBD-Destillat bezeichnet somit einen destillativ gewonnenen beziehungsweise aufbereiteten, CBD-haltigen Stoffstrom. Aus dem Namen allein folgt weder, dass ausschließlich CBD enthalten ist, noch dass jedes CBD-Destillat dieselbe Zusammensetzung besitzt.

Warum können Extraktion und Destillation zusammen vorkommen?

Ein schematisches Beispiel macht den Unterschied anschaulich: Zunächst werden Inhaltsstoffe aus Pflanzenmaterial in einen Extrakt überführt. Dieser Extrakt kann anschließend weiter aufgetrennt werden. Wenn hierfür eine destillative Trennung eingesetzt wird, sind Extraktion und Destillation unterschiedliche Schritte derselben Verarbeitung. [2, 4]

Das ist keine allgemeingültige Herstellungsvorschrift. Nicht jeder Extrakt wird destilliert, und die beiden Begriffe bilden allein keine vollständige Prozessbeschreibung. Auch sagt eine Abfolge von Verfahrensnamen noch nicht, welche Rezeptur später abgefüllt wird.

Für Verbraucher ist vor allem diese Trennung hilfreich: Die Herstellung eines Ausgangsstoffs und die Zusammensetzung des angebotenen Endprodukts sind zwei miteinander verbundene, aber unterschiedliche Fragen.

Ist ein Destillat automatisch rein oder THC-frei?

Nein. Eine Verfahrensbezeichnung ersetzt keine Untersuchung der Zusammensetzung. „Destilliert“ beschreibt eine Verarbeitung, während „THC-frei“ eine Aussage über einen bestimmten Inhaltsstoff sein soll. Ob und in welcher Menge THC nachweisbar ist, muss analytisch beurteilt werden.

Wie wichtig zuverlässige Messungen sind, zeigt die Arbeit des US-amerikanischen National Institute of Standards and Technology (NIST): Für Cannabinoide und bestimmte unerwünschte Elemente wurden Referenzmaterialien zur Überprüfung von Labormessungen entwickelt. Das ist ein Beitrag zur Messqualität, keine Prüfung oder Zertifizierung einzelner Parmorcan®-Produkte. [5]

Auch ein Cannabinoid-Prüfbericht beantwortet nur die Fragen, die tatsächlich untersucht wurden. Ein ausgewiesener CBD-Wert belegt beispielsweise nicht automatisch, dass daneben sämtliche denkbaren Verunreinigungen geprüft wurden. Für eine Einordnung müssen Probe, Untersuchungsumfang und Ergebnis zusammen betrachtet werden.

Wie die Einheiten zu lesen sind, erklärt unser Beitrag Cannabinoid-Prüfbericht lesen: Was mg/g, mg/ml und % bedeuten.

Fünf Fragen für verständliche Herstellungsangaben

Die folgenden Fragen helfen, Angaben auseinanderzuhalten, statt aus einem einzelnen Fachwort ein umfassendes Qualitätsurteil abzuleiten:

  1. Was wurde verarbeitet? Bezieht sich die Beschreibung auf Pflanzenmaterial, einen gewonnenen Extrakt oder schon auf das fertige Produkt?

  2. Welches Verfahren ist gemeint? Wird die Extraktion erklärt, eine anschließende Trennung oder beides?

  3. Was ist zur Zusammensetzung angegeben? Sind konkrete Inhaltsstoffe und ihre jeweiligen Mengen genannt, oder stehen dort nur allgemeine Verfahrensbegriffe?

  4. Worauf bezieht sich ein Prüfergebnis? Gehört der Befund zum beschriebenen Ausgangsstoff oder zur untersuchten Endproduktprobe?

  5. Welche Aussage bleibt offen? Eine fehlende Angabe sollte als offene Frage behandelt werden – nicht durch Vermutungen ersetzt werden.

Wer einzelne Begriffe genauer unterscheiden möchte, findet ergänzend unsere Grundlagen zu Cannabidiol (CBD) und Cannabigerol (CBG).

Häufige Fragen zu Extraktion und Destillation

Sind CO₂-Extrakt und Destillat dasselbe?

Nein. Die Begriffe benennen unterschiedliche Verfahrensaspekte. Ein CO₂-Extrakt kann anschließend destillativ verarbeitet werden; eine solche Weiterverarbeitung ist aber nicht bereits durch das Wort „Extrakt“ belegt.

Ist Destillation besser als Extraktion?

Das ist kein sinnvoller pauschaler Vergleich. Die Verfahren erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Aussagekräftiger ist die Frage, ob Herstellungsbeschreibung, deklarierte Zusammensetzung und passende Prüfergebnisse nachvollziehbar zusammenpassen.

Belegt das Herstellungsverfahren eine gesundheitliche Wirkung?

Nein. Eine verfahrenstechnische Untersuchung beschreibt, wie Stoffe gewonnen oder getrennt werden. Sie ist für sich kein klinischer Wirksamkeitsnachweis für ein fertiges Verbraucherprodukt. Die hier behandelten Arbeiten werden deshalb nicht als Beleg für Produktwirkungen verwendet.

Fazit: Verfahren, Zusammensetzung und Nachweise getrennt lesen

Extraktion und Destillation sind keine Synonyme. Wer beide Begriffe auseinanderhält, kann Herstellungsbeschreibungen besser verstehen. Für die Beurteilung eines konkreten Produkts braucht es darüber hinaus nachvollziehbare Angaben zur Zusammensetzung und dazu passende Untersuchungen – nicht nur einen anspruchsvoll klingenden Verfahrensnamen.

Quellen und fachliche Einordnung

Dieser Beitrag erläutert allgemeine chemische und analytische Grundlagen. Er beschreibt keine vollständige Produktionskette von Parmorcan® und enthält keine Herstellungsanleitung, Einnahmeempfehlung oder medizinische Beratung. Die Quellen wurden am 18.10.2026 geprüft; die experimentellen Ergebnisse werden nicht auf unsere Produkte übertragen.

  1. Baldino, L.; Zanotti, A.; Scognamiglio, M.; Reverchon, E. (2025): Cannabigerol Extraction from a Cannabis Cultivar Using a Supercritical Carbon Dioxide Process. Chemical Engineering & Technology, 48(7), e70052. DOI: 10.1002/ceat.70052.

  2. Rovetto, L. J.; Aieta, N. V. (2017): Supercritical carbon dioxide extraction of cannabinoids from Cannabis sativa L. The Journal of Supercritical Fluids, 129, 16–27. DOI: 10.1016/j.supflu.2017.03.014.

  3. Royal Society of Chemistry: Simple distillation – practical videos. Offizielles Lehrmaterial zum allgemeinen Trennprinzip; keine Cannabis- oder Produktstudie.

  4. Sagili, S. U. K. R. et al. (2023): Optimization of wiped-film short path molecular distillation for recovery of cannabinoids from cannabis oil using response surface methodology. Industrial Crops and Products, 195, 116442. DOI: 10.1016/j.indcrop.2023.116442.

  5. National Institute of Standards and Technology (2024; aktualisiert 2025): NIST’s New Hemp Reference Material Will Help Ensure Accurate Cannabis Measurements. Offizielle Erläuterung zu Referenzmaterialien und Messqualität; keine produktspezifische Prüfung.

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