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Henry Fords Hanfauto: Fakten zum Soybean Car von 1941

1. Dez. 2023
2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Tagen

Collage mit Henry Ford und einem historischen Automobil
Illustrative Collage zu Henry Ford und zum Automobilbau der frühen 1940er-Jahre.

Henry Fords Hanfauto – auf Englisch häufig „hemp car“ genannt – ist eine populäre Geschichte über pflanzliche Rohstoffe im Automobilbau. Dahinter steht ein realer Versuch: das 1941 vorgestellte Soybean Car. Die Bezeichnung „Auto aus Hanf“ erzählt allerdings mehr, als die erhaltenen Quellen sicher belegen. Ein Blick in die Dokumentation des Museums The Henry Ford zeigt, was bekannt ist und wo Fragen offenbleiben.

Ein Kunststoffauto mit einem Stahlrahmen

Der Prototyp wurde am 13. August 1941 bei den Dearborn Days vorgestellt. Er besaß einen Rahmen aus Stahlrohren, an dem 14 Kunststoffpaneele befestigt waren. Es handelte sich somit nicht um ein vollständig aus Pflanzenmaterial bestehendes Fahrzeug. Die Forschungsübersicht des Museums beschreibt den Soybean Car.

Diese Unterscheidung ist mehr als eine Wortfrage: Eine Karosserie kann pflanzliche Bestandteile enthalten, während Rahmen, Antrieb und weitere Bauteile andere Materialien benötigen. Die Kurzform „Hanfauto“ lässt diese Unterschiede leicht verschwinden.

Warum Henry Ford mit pflanzlichen Rohstoffen experimentierte

Die Sammlung des Museums dokumentiert bereits für die 1930er-Jahre Versuche mit Kunststoffen aus Sojabohnen im Greenfield Village. Aus zunächst kleinen Versuchen entstanden größere Materialproben und schließlich Bauteile für eine vollständige Karosserie. Eine erhaltene Aufnahme des Rahmens vom Februar 1941 macht den Entwicklungsprozess sichtbar. Zum historischen Foto des Soybean-Car-Rahmens.

Für Ford verband das Projekt Landwirtschaft und Industrie. Nach Darstellung des Museums spielte auch die damalige Knappheit an Metall eine Rolle. Der Versuch lässt sich damit als Suche nach alternativen Werkstoffen verstehen – nicht allein als Geschichte über eine einzelne Pflanzenart.

War tatsächlich Hanf in der Karosserie?

Die genaue Rezeptur ist nicht erhalten. Das Museum nennt unterschiedliche Überlieferungen: Ein Bericht führt unter anderem Hanf und weitere Pflanzenbestandteile auf; Projektmitarbeiter Lowell Overly beschrieb Sojabohnenfasern mit Phenolharz. Ein bestimmter Hanfanteil lässt sich daraus nicht zuverlässig angeben.

Ein ausschließlich aus Hanf gefertigtes Auto ist damit nicht belegt. „Pflanzlicher Bestandteil“ und „vollständig biobasiertes Material“ sind zudem keine gleichbedeutenden Aussagen.

Was der bekannte Axt-Test tatsächlich zeigt

Häufig wird ein Bild von Ford mit einer Axt als Beweis für die Festigkeit des Soybean Car gezeigt. Das Museum ordnet die Szene anders ein: Ford schlug auf eine Kunststoff-Kofferraumklappe seines eigenen Fahrzeugs, nicht auf den Soybean-Car-Prototyp. Eine eindrucksvolle Demonstration ersetzt außerdem keinen standardisierten Vergleich von Werkstoffen oder vollständigen Fahrzeugen.

Warum das Projekt keine Serienproduktion wurde

Die Sammlungsbeschreibung des Rahmenfotos nennt den US-Eintritt in den Zweiten Weltkrieg als Ende des Projekts. Der Versuch wurde aufgegeben; eine zweite Einheit kam nicht zur Fertigstellung. Für die Behauptung, eine gezielte Unterdrückung durch konkurrierende Industrien habe das Projekt beendet, liefert diese Dokumentation keinen Beleg.

Was die Geschichte heute interessant macht

Das Soybean Car ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie technische Experimente zu einer vereinfachten Legende werden können. Die Verbindung von Landwirtschaft und Werkstoffentwicklung bleibt spannend, auch wenn man die offenen Fragen zur Rezeptur benennt. Aus einem historischen Prototyp folgt jedoch weder eine heutige Umweltbilanz noch ein allgemeiner Nachweis, dass ein bestimmtes Material jedem anderen überlegen wäre.

Mehr über nachprüfbare historische Nutzungen lesen Sie im Beitrag Hanf im Mittelalter. Den größeren Zusammenhang bietet unsere Geschichte von Cannabis.

 
 
 

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