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Hanf im Mittelalter: Textilien, Seile und historische Spuren

28. Juni 2024
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Collage mit Textilien, Seilen, Hanfsamen und historischen Dokumenten
Illustrative Collage zu Hanf und historischen Nutzungen; keine Abbildung eines einheitlichen mittelalterlichen Fundzusammenhangs.

Hanf im Mittelalter war nicht nur eine Pflanze der Arzneikunde. Seine Fasern spielten auch als Rohstoff für Textilien und Seile eine Rolle. Wie groß diese Bedeutung war, unterschied sich jedoch nach Region, Zeitraum und handwerklichem Zusammenhang. Besonders spannend sind deshalb konkrete archäologische Funde: Sie zeigen mehr als pauschale Behauptungen, früher sei nahezu alles aus Hanf hergestellt worden.

Was archäologische Textilien über Hanf verraten

Eine 2013 veröffentlichte Untersuchung analysierte zehn skandinavische Pflanzenfasertextilien aus der Wikingerzeit und dem frühen Mittelalter. Vier enthielten Hanf; in drei Fällen waren Hanf und Flachs kombiniert. Darunter befanden sich zwei untersuchte Teile der Överhogdal-Textilien. Zuvor waren die untersuchten Stücke als Flachs eingeordnet worden. Zur Originaluntersuchung über skandinavische Hanftextilien.

Der Befund erweitert das Bild: Hanf wurde dort nicht ausschließlich für grobe Erzeugnisse genutzt. Gleichzeitig erlaubt eine kleine Auswahl erhaltener Textilien keine Aussage über sämtliche mittelalterlichen Kleidungsstücke. Archäologische Forschung arbeitet mit konkreten Objekten – nicht mit einer lückenlosen Bestandsliste des damaligen Alltags.

Vom Hanfstängel zur nutzbaren Faser

Die Fasern befinden sich im äußeren Bereich des Stängels. Damit sie verarbeitet werden können, müssen sie von anderen Pflanzenbestandteilen getrennt werden. Eine wichtige historische Technik war die Röste: Feuchtigkeit und biologische Abbauprozesse lockern die Verbindungen zwischen den Faserbündeln und dem umgebenden Gewebe.

Besonders anschaulich ist eine Untersuchung von Hanffaserresten aus dem polnischen See Słone. Die Reste werden einem Röstvorgang des 7. bis 8. Jahrhunderts zugeordnet. Moderne spektroskopische Analysen untersuchten ihre erhaltenen Bestandteile und die Veränderungen beim Abbau. Zur Studie über frühmittelalterliche Hanffasern und Röste.

Solche Funde machen einen ansonsten wenig sichtbaren Teil der Geschichte greifbar: Nicht nur das fertige Gewebe, sondern auch die Verarbeitung des Rohstoffs hinterließ Spuren. Eine mittelalterliche Hanfgeschichte besteht deshalb ebenso aus Arbeitsschritten und Produktionsorten wie aus berühmten Einzelobjekten.

Hanfseile, Schifffahrt und regionale Wirtschaft

Hanf lässt sich zu Faserprodukten wie Seilen und Geweben verarbeiten. Eine pollenanalytische Untersuchung aus Muddymore Pit bei Lydd in Südostengland fand besonders hohe Hanfpollenanteile. Die Autoren deuten den Standort als historische Röstgrube und diskutieren einen Zusammenhang mit dem Bedarf des benachbarten Hafens an Tauwerk und Segeltuch. Zur Originalstudie über den englischen Röstplatz.

Der Zusammenhang mit dem Hafen ist eine wissenschaftlich begründete Interpretation. Er ist nicht dasselbe wie ein Lieferschein für ein bestimmtes Schiff. Diese Abstufung zwischen Fund, Datierung und Deutung hilft, historische Nutzung nachvollziehbar zu beschreiben.

Warum Hanf und Flachs verwechselt werden können

Alte Pflanzenfasern sind nicht immer einfach zu bestimmen. Erhaltungszustand und Untersuchungsmethode beeinflussen, was sich am einzelnen Fund erkennen lässt. Die skandinavische Untersuchung zeigt gerade deshalb, warum traditionelle Materialbezeichnungen überprüft werden müssen. Ein als „Leinen“ bezeichnetes Stück ist nicht allein durch seine Benennung eindeutig botanisch bestimmt.

Umgekehrt sollte ein historisches Seil oder Gewebe nicht allein wegen seines Alters als Hanf bezeichnet werden. Für eine belastbare Zuordnung braucht es eine geeignete Untersuchung oder eine präzise Objektbeschreibung.

Gutenberg-Bibel und US-Verfassung: Geschichten richtig einordnen

Die Aussage, die Gutenberg-Bibel sei grundsätzlich aus Hanfpapier, ist zu pauschal. Die Library of Congress beschreibt Papier- und Pergamentexemplare; ihr eigenes Exemplar wurde auf speziell vorbereiteter Tierhaut gedruckt. Zur Materialbeschreibung der Gutenberg-Bibel.

Die US-Verfassung gehört zudem ins Jahr 1787 und damit nicht ins Mittelalter. Das erhaltene unterzeichnete Dokument wurde auf Pergament geschrieben, wie die National Archives zur Unterscheidung von Papier und Pergament erläutern. Das ist kein Nachweis für die Faserzusammensetzung jedes historischen Entwurfs.

Hanfgeschichte ohne Übertreibungen entdecken

Die überprüfbaren Funde sind bereits bemerkenswert: Sie verbinden Landwirtschaft, Handwerk, Textilproduktion und Handel. Dafür braucht es keine Behauptung, alle wichtigen Dokumente oder Kleidungsstücke seien aus Hanf gewesen. Weiterlesen können Sie in unserer Geschichte von Cannabis und im Beitrag über Henry Fords Kunststoffauto von 1941.

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