Das Endocannabinoidsystem einfach erklärt: Signale im Körper
Aktualisiert: vor 3 Tagen

Das Endocannabinoidsystem ist ein körpereigenes Signalsystem. Zu seinen zentralen Bestandteilen gehören bestimmte Botenstoffe, Rezeptoren sowie Enzyme für Bildung und Abbau. „Endo“ bedeutet hier: im Körper selbst entstehend. Man braucht also keine Cannabispflanze, damit dieses System vorhanden ist. Besonders verständlich wird seine Arbeitsweise an einem Beispiel aus der Kommunikation zwischen Nervenzellen.
Die wichtigsten Bausteine im Überblick
Endocannabinoide sind körpereigene lipidartige Botenstoffe. Zwei besonders gut untersuchte Vertreter heißen Anandamid und 2-Arachidonoylglycerol, kurz 2-AG. Devane und Kollegen beschrieben Anandamid 1992 als Stoff aus dem Gehirn, der an den Cannabinoidrezeptor bindet. Zur ursprünglichen Anandamid-Veröffentlichung.
1995 untersuchten Sugiura und Kollegen auch die Bindung von 2-AG an Cannabinoidrezeptoren. Beide Moleküle gehören zum selben Forschungsfeld, sind chemisch aber nicht identisch. Zur Originalarbeit über 2-AG.
Rezeptoren sind Zielstrukturen, an denen eine passende Bindung eine zelluläre Antwort beeinflussen kann. Zu den klassischen Cannabinoidrezeptoren zählen CB1 und CB2. Enzyme begrenzen unter anderem die Dauer eines Signals, indem sie die Botenstoffe wieder abbauen.
CB1 und CB2: keine einfachen Ein-Aus-Schalter
Für das nachfolgende Beispiel ist der CB1-Rezeptor wichtig: Er kann an der sendenden Seite einer Nervenzellverbindung die Freisetzung von Botenstoffen beeinflussen. CB2 wurde 1993 als weiterer Cannabinoidrezeptor molekular beschrieben; die ursprüngliche Untersuchung fand ein anderes Verteilungsmuster als beim zuvor bekannten Rezeptor. Zur CB2-Veröffentlichung von Munro und Kollegen.
Die Kurzformeln „CB1 nur im Gehirn“ und „CB2 nur im Immunsystem“ wären zu starr. Für eine konkrete Aussage kommt es auf Gewebe, Zelltyp und Untersuchung an. Auch aus der Bindung an einen Rezeptor folgt nicht automatisch eine bestimmte spürbare oder therapeutische Wirkung.
Ein Beispiel: Wie Nervenzellen rückwärts kommunizieren
An einer Synapse gibt eine sendende Nervenzelle normalerweise Botenstoffe ab, auf die eine empfangende Zelle reagiert. Endocannabinoide können in bestimmten Situationen eine Rückmeldung in die umgekehrte Richtung ermöglichen. Das nennt man retrograde Signalübertragung.
Die empfangende Nervenzelle wird aktiv.
Ein endocannabinoides Signal gelangt zur sendenden Seite zurück.
Dort kann es CB1-Rezeptoren aktivieren.
Dadurch kann vorübergehend weniger eines anderen Botenstoffs freigesetzt werden.
Der Abbau der beteiligten Signalstoffe trägt dazu bei, die Rückmeldung zu begrenzen.
Wilson und Nicoll zeigten 2001 eine solche rückwärts gerichtete Signalübertragung an Hippocampus-Synapsen. Untersucht wurde die zeitweilige Unterdrückung einer GABA-vermittelten Signalübertragung. Zur Originalstudie über retrograde Signale.
Das Beispiel beschreibt einen untersuchten Mechanismus, nicht sämtliche Funktionen des Endocannabinoidsystems. Es korrigiert zugleich eine verbreitete Vereinfachung: CB1-Aktivierung bedeutet nicht grundsätzlich, dass einfach mehr Neurotransmitter ausgeschüttet werden.
Warum Enzyme genauso wichtig sind wie Rezeptoren
Ein Signal muss nicht nur entstehen, sondern auch enden können. Für den Abbau von Anandamid spielt die Fettsäureamid-Hydrolase, kurz FAAH, eine wichtige Rolle. Cravatt und Kollegen beschrieben 1996 die molekulare Charakterisierung eines Enzyms, das unter anderem Anandamid umsetzt. Zur FAAH-Originalarbeit.
Bei 2-AG ist unter anderem die Monoacylglycerol-Lipase, häufig MAGL oder MGL genannt, beteiligt. Dinh und Kollegen untersuchten 2002 ihren Beitrag zur Inaktivierung von 2-AG. Zur Untersuchung des 2-AG-Abbaus. Die Betrachtung der Enzyme zeigt, warum ein Signalsystem nicht allein durch die Zahl seiner Rezeptoren erklärt werden kann.
Körpereigene und pflanzliche Cannabinoide unterscheiden
Anandamid und 2-AG sind Endocannabinoide. CBD, CBG und CBN werden dagegen als pflanzliche Cannabinoide beziehungsweise Cannabinoide aus dem pflanzlichen Zusammenhang besprochen. Ähnliche Namen machen die Stoffe nicht austauschbar. Ebenso wenig folgt aus der Existenz des Endocannabinoidsystems, dass jeder Mensch zusätzliche Cannabinoide benötigt.
Begriffe wie „Balance“ oder „Unterstützung des Systems“ sind ohne präzise Messgröße keine wissenschaftlich klaren Wirkungsnachweise. Eine Aussage zu einem fertigen Produkt müsste sich auf dessen konkrete Zusammensetzung und eine passend untersuchte Fragestellung beziehen.
Die Grundlagen weiter vertiefen
Den größeren Überblick bietet unsere Wissensseite zum Endocannabinoidsystem. Einzelne Verbindungen stellen die Beiträge Was ist CBD? und Was ist CBG? vor.
Hinweis: Dieser Beitrag erklärt biologische Grundlagen. Er enthält keine Diagnose, Behandlungsempfehlung oder Wirksamkeitszusage für Cannabinoidprodukte.




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